Über Gewalt an Frauen berichten

Wenn Frauen Opfer von Gewalt werden und sich Frauenmorde häufen, stellt sich für Journalistinnen, die darüber berichten, die Frage nach dem Wie: Wie vermeidet man Berichterstattung, die den Voyeurismus mancher bedienet, rassistische Debatten schürt, anderen Opfern den Ausstieg erschwert oder sie gar zu Mitverantwortlichen macht. Martina Madner und Olivera Stajic haben deshalb für Journalistinnen im Frauennetzwerk Medien einen Workshop mit Andrea Brem, der Geschäftsführerin der Wiener Frauenhäuser, und der Journalistin Sibylle Hamann einen Workshop organisiert – dessen Ergebnis Jana Wiese als Sketchnotes aufzeigt.

Was kann und soll man in der Berichterstattung beachten:
+ Opfern eine Stimme geben! Gerade bei Frauenmorden wird der Sicht des Täters häufig viel Platz eingeräumt. Anwälte aber haben die Aufgabe diesen zu verteidigen – und nicht neutral den Medien zu berichten. Wenn die Betroffene selbst (nicht mehr) sprechen kann, gibt es Zeug_innen. Auch Gewaltschutzorganisationen geben den Opfern eine Stimme, haben außerdem die Erfahrung, wie man die betroffenen Frauen vor neuerlicher Angst schützt.
+ Gewalttaten nicht erklären und entschuldigen! Einfühlsame Berichterstattung erfordert ein „Hineinspüren in die Situation“, wie Sibylle Hamann sagt, aber kein Schildern vermeintlicher Beweggründe des Täters, die als Entschuldigungen der Tat ankommen. Gewalt oder gar Mord sind keine Folgen einer schwierigen Kindheit, Eifersucht oder Auseinandersetzungen in einer Beziehung. Man(n) muss nicht zum Gewalttäter werden, die meisten kennen andere Wege.
+ Kein Victimblaming, sondern sagen, was Sache ist! Details sind wichtig in der Berichterstattung, um Gewalt an Frauen sichtbar zu machen und Gefahren für andere in ähnlichen Situationen aufzudecken, deshalb keine Verharmlosungen. „Trennungen sind oft die gefährlichste Zeit für Frauen!“, sagt Brem zum Beispiel. Hinweise auf eine spärliche Bekleidung aber transportieren eine vermeintliche Mitschuld des Opfers mit, Dessous oder kurze Röcke sind keine Aufforderung zu Gewalt. Solche Hinweise wiegen zudem andere in scheinbarer Sicherheit.
+ Punktgenaue Sprache verwenden! Worte wie „Streit“, „Familientragödie“, „erweiterter Suizid“ suggerieren gleichermaßen Beteiligte, verschleiern dass es sich um Mord(versuche) und schwere Körperverletzungen oder einen Verdacht darauf handelt. Auch die Sexualisierung von Gewalttaten über die Worte „Sexattacke“, „Dessousmord“ oder „Triebtäter“ hat in der Berichterstattung nichts verloren.
+ Bilder ohne Voyeurismus und neuerliche Angst zu schüren! Ausschnitte des Tatorts, die die Anonymität wahren, Polizeistation oder Gerichtsgebäude sind Varianten, genauso wie klar als solche erkennbare Symbolfotos.
+ Anonymität und Opferschutz sind wichtig für die Sicherheit! Ortsangaben, Namen, Familienfotos oder Täterfotos stehen nicht nur im Widerspruch zu den Persönlichkeitsrechten, sie können jene, die von Gewalt in der Familie betroffen sind, neuerlich in Gefahr bringen. Kontaktmöglichkeiten zu Gewaltschutzstellen wie dem Wiener Frauennotruf (01/71719) oder der österreichweiten Frauenhelpline gegen Gewalt (0800 222 555) für weitere Betroffene enorm wichtig!

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