„Ösi-Delegation“ auf zwei Podcast-Kongressen

Ein Gastbeitrag von Netzwerkfrau Anna Wallner/ Leiterin Debattenressort Die Presse & Podcast  „Presse am Sonntag“

„Fahren wir doch gemeinsam auf Recherchereise!“ – Es war eine spontane Idee von Tatjana Lukas, Podcasterin und Gründerin des soeben eröffneten Happy House Media – und sie stieß rasch auf große Gegenliebe. Nach den langen Monaten im Home Office endlich wieder reisen können und dabei etwas Neues lernen, klang gut. Anfang Mai begab sich also eine kleine Gruppe leidenschaftlicher Podcasterinnen gemeinsam zum ersten Podcast-Festival von Spotify in Berlin. Bei der eintägigen „All Ears“ traf sich die deutschsprachige Podcast-Branche, auf der Bühne waren Stars wie Ira Glass („This American Life“), Sarah Koenig („Serial“), Jan Böhmermann („Fest & Flauschig“) zwar öfter zugeschaltet als live vor Ort, aber hey, es war ja grad noch Corona und der Weg aus den USA ist zumindest für die zwei ersteren doch recht weit weg. Inhaltlich erfuhr die „Österreich Delegation“, wie sich die Gruppe rund um Barbara Haas („Kleine Zeitung“), Jeanne Drach (Label Oh WOW), Asta Krejci-Sebesta (Wie Tatjana Lukas Gastgeberin von „Drama Carbonara, Baby“, Mari Lang („Frauenfragen“) und Anna Wallner („Presse“-Audio und Gastgeberin von „Presse Play – Was wichtig wird“) scherzhaft nennt, nicht viel Neues.

v. li. n. rechts: Tatjana Lukas, Mari Lang, Anna Wallner, Jeanne Drach, Milo Tesselar (Credit: Wallner)
 

Ein paar Männer waren natürlich auch dabei, zB Andreas Sator („Erklär mir die Welt“), Georg Gfrerer (Audio-Funnel, produziert u.a. „Presse Play“) und Milo Tesselaar (Strategieberater und Partner bei Oh WOW). Es tat gut, sich zu vernetzen und zu sehen, woran andere in der Audionische gerade arbeiten. Womit sie hadern. Wo sie mutiger sind als wir in Österreich. Begeistert hat uns alle Maria Lorenz, die Geschäftsführerin des deutschen Podcast-Labels Pool Artists („Alles gesagt“, „Faking Hitler“). Ihr Credo: Wir alle sollten viel kreativer und weiter denken und uns mehr trauen. Der Laber-Podcast ist nett, aber es gibt schon so viele. Besser ist, was ganz anderes zu wagen.

Zeit fürs Netzwerken

Ein Teil der Ösi-Delegation fuhr schließlich Ende Mai auch noch zur sogenannten Podcast Show in London – und staunte nicht schlecht. Über die Größe des zweitägigen Festivals. Über die inhaltliche Dichte, die jene in Berlin bei Weitem übertraf. Und über die vielen Stars des britischen Podcast-Marktes, vom Spaß-Trio „My Dad wrote a Porno“, die gemeinsam erotische Geschichten vorlesen, die einer ihrer Väter verfasst hat, über die Comfort-Eating-Journalistin des „Guardian“ bis zum Frauen-Duo, das mit seinen „Postcards from Midlife“ den Frauen in der Menopause die Plattform gibt, die sie verdient haben. Inhaltlich war die Podcast Show in London jedenfalls ergiebiger, auch wenn man die Gegebenheiten des britischen Marktes ausblenden muss. Man kann ihn einfach nicht mit dem österreichischen, nicht einmal mit dem deutschen Markt vergleichen.

v. li. n. rechts: hintere Reihe Georg Gfrerer, Anna Wallner, B. Haas, Milo Tesselar, Jeanne Drach, Ruth Hutsteiner (Ö1) 
vordere Reihe: Tatajana Lukas, Astra Krejci-Sebesta, Irmi Wutscher (Ö1) (Credit: Wallner)

Beide Konferenzen waren mit Tagestickets um die 70 Euro (Tipp: Early Bird buchen) leistbar, Berlin lässt sich sogar mit Nachtzug innerhalb von 24 Stunden absolvieren, wie eine der Vertreterinnen der Österreich-Delegation bewies. London ist natürlich mit Zug und Unterkunft für mindestens zwei Nächte etwas teurer. Aber es ist ratsam, bei so einem Trip auch Zeit fürs Zusammenkommen einzuplanen. Die Österreich-Delegation hat an einem der Abende in Berlin intensive Zukunftspläne geschmiedet, wie man die Audio-Content-Branche in Österreich näher zusammen bringt und gemeinsam daran arbeiten kann, dass sie mehr gesehen wird und der Podcast-Markt (auch ökonomisch) wächst. Ein Festival wie die All Ears oder die Podcast Show fehlt Österreich jedenfalls noch, Mut und Weitsicht, Geschichten auf ganz neue Art in Podcasts zu erzählen, auch.

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