Antonia Gössinger: „Mit Solidarisierung die Politik disziplinieren“

In der 2. Auflage des #AskMeAnything-Talks war mit Antonia Gössinger (Kleine Zeitung Kärnten) eine innenpolitische Insiderin zu Gast. Eine extrem spannende Diskussion samt „Jörg Haider-Lehrstunde“.

Die zweite Runde unseres Frauennetzwerk Medien Talkformates #AskMeAnything war quasi perfekt. So unbescheiden müssen wir leider sein. Und das lag an unserem großartigen Gast, Antonia Gössinger.  Die ehemalige Chefredakteurin der Kleinen Zeitung Kärnten blickt nicht nur auf 40 Jahre politischen Journalismus zurück, sondern sie ist auch jene Frau, die alle politischen und menschlichen Hochs und Tiefs von Jörg Haider aus nächster Nähe kennengelernt hat. Welche Diffamierungen sie von der „Buberlpartie“ Haiders aushalten musste und wo ihrer Meinung nach die klaren Parallelen zum Kabinett Kurz liegen, hat sie mit einer exklusiven Runde aus Netzwerkfrauen geteilt. Moderiert wurde der Talk von Vorstandsfrau Barbara Haas und der Vorstandsvorsitzenden Martina Madner.

Glaubwürdig, solidarisch Flagge zeigen

Viel wurde über Glaubwürdigkeit als „einziges Kapital von Journalistinnen und Journalisten“ (O-Ton Gössinger) gesprochen und Gössinger ging der Frage nach, warum der heutigen Journalismus gar so „mutlos und zahnlos“ sei. Spannend dazu ihre Analyse zum Thema Solidarität: „Es ist wichtig, dass man sich manchen Spielen der Politik verweigert, wenn die Kolleginnen und Kollegen solidarisch sind, dann ist das ein gutes Disziplinierungsinstrument gegenüber der Politik“, so Gössinger. Gemeint war damit nicht nur die Zeit, in der Jörg Haider gerade ungeliebte Journalist*innen vor verschlossenen Türen warten ließ, sondern auch die aktuell sehr verbreiteten „Hintergrundgespräche“. Diese Solidarität mit Kolleg*innen, die von Informationen ferngehalten oder überhaupt ausgeschlossen werden, sollten innerhalb der Branche gestützt werden. „Aufstehen und dagegen sprechen, wenn jemand oder man selbst ungerechtfertigt angegriffen wird, das ist wichtig. Man muss schon Flagge zeigen. Ich war nie eine, die still leidet.“

„Man muss schon Flagge zeigen. Ich war nie eine, die still leidet.“

Antonia Gössinger

Auch die gerade aktuell immer prekärer werdende Situation in der Medienbranche wurde diskutiert, denn journalistische Unabhängigkeit funktioniert nur mit dem nötigen wirtschaftlichen Hintergrund, der bei vielen Medienhäusern nicht zuletzt durch die Covid-Krise gefährdet ist. Gössinger Ansatz dazu: „Gerade, um große Skandale aufzudecken, wäre es besser, über Mediengrenzen hinweg zu kooperieren und auch die Kraft von Recherche-Plattformen zu nützen.“

„Gerade, um Skandale aufzudecken, wäre es besser, über Mediengrenzen hinweg zu kooperieren.“

Antonia Gössinger

Ziel der #AskMeAnything-Reihe ist es, sich mit bekannten Medienfrauen in einer kleinen Runde, ganz ohne Tabus und mit großer Ehrlichkeit auszutauschen. Vereinbart ist, dass niemand aus der Gruppe das Gesagte veröffentlicht oder postet – die Zitate für diesen Nachbericht wurden mit Antonia Gössinger abgestimmt.

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