Hinter den Kulissen des Tradwive Trends

Druckfrisch erschienen ist das Buch unserer Vorstandskollegin Barbara Haas „Bullshit mit Blümchenkleid. Tradwives & die neue Lust am alten Rollenbild“ beim Ueberreuter Verlag. Erstmals präsentiert hat Barbara es am Donnerstagabend bei unserem Netzwerktreffen im Hinterzimmer des Café Saadi. Danke dafür! Die schönen Bilder vom Abend hat Luiza Puiu gemacht.

Rund 30 Netzwerkfrauen fanden sich ein, stellten Fragen und diskutierten lebhaft, wie man auf den schönen Schein überhaupt hereinfallen kann, wie man diese Inhalte am besten konterkariert und verblendeten jungen Frauen die Augen öffnen könnte. Ob es bald ein Tradwife „Made in Austria“ geben wird und was es eigentlich braucht, damit Frauen sich nicht zerreißen und ausbrennen müssen, um ihren Beruf auszuüben und Kinder großzuziehen.

Estee, Hanna, Nara, Malischka, Ashley und Alena – so heißen die Tradwifes und Christfluencerinnen auf YouTube, TikTok und Instagram. Sie verdienen Geld mit ihren Follower:innenzahlen in Millionenhöhe und mit Selbstgemachtem – so weit, so fortschrittlich. Wofür sie stehen und was sie anderen Frauen vorleben, war aber schon im Mittelalter kein gutes Konzept. Sie alle sind weiß, normschön, kinderreich, reich verheiratet oder kurz vor einer guten Partie, sie kümmern sich um Heim und Herd, backen, beten und sind bibelfest. Vermögende Frauen empfehlen allen möglichen Frauen die Verantwortung für Versorgung, Verdienst und schwierige Entscheidungen an den Göttergatten zu delegieren. Sie halten Hühner, unterrichten die Kinderschar zu Hause, schlagen Butter, machen selbst Hustenpastillen und kochen gesundes Mittagessen.

„Gottes Wille“ ist in diesen religiösen Milieus vor allem eines: ein Megafon für Männer. Kirchen, Sekten und christlich-nationalistische Netzwerke legen Gott Sätze in den Mund, die vor allem Männern nützen: Sie bekommen Autorität, Deutungshoheit und politische Macht, Frauen bekommen Unterordnung als „Berufung“.  Barbara Haas in „Bullshit mit Blümchenkleid“

Auch Barbara war während des Lockdowns auf der Suche nach Entspannung und hatte Lust auf Sauerteigbrot, kippte in die heile und ästhetische Welt der Ballerinafarm, wo eine Mutter von neun ganz bei sich ist, ruhig und ästhetisch zwischen „Schöner Wohnen“ und „Unsere kleine Farm“ diese eine Aufgabe gut zu machen vorzeigt: Kinder großzuziehen. Und wenige Tage nach einer Geburt bei der Mrs. America Wahl anzutreten.

Diese schön dekorierte Unterwerfungsschablone enttarnt Barbara Haas auf 127 Seiten als Bullshit und analysiert mit Expertinnen-Interviews und sorgfältiger Recherche, wer Interesse hat, Frauen auf diesen Platz zu verweisen. Sie analysiert das politische Rundherum zu diesem Social Media auf Hochglanz polierten Sehnsuchtsort. Wer lange genug dran bliebt, den führt der Algorithmus rasch vom köstlichen Apfelkuchen zu Proponenten von White Supremacy und Great Reset, Wissenschaftsfeindlichkeit und Verschwörungstheorien.

Barbara ist als jüngstes Kind einer Großfamilie auf einem Bauernhof im steirischen Ennstal aufgewachsen und hat für das Buch auch ihre Mama interviewt (hier geht es zur Podcast Folge von fair &female), die sieben Kinder auf einem Bauernhof großgezogen hat, was sie von den Tradwives hält. Wie man sich denken kann, hält Mama Haas das für Bullshit, sie drückt es aber viel gewählter aus und sagt auch, was sie an ihrem Lebensentwurf mochte.  

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