Mit höherem Frauenanteil den ORF und Frauen stärken

Unter dem Motto „ORF. Das F steht für Frauen“ diskutierten Journalistinnen des Frauennetzwerks Medien und der Task Force „Frauen im ORF“ mit Generaldirektor Roland Weißmann, Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz und Radiodirektorin Ingrid Thurnher über Frauenkarrieren, Sichtbarkeit von Frauen im ORF und Diversität.

Die guten Nachrichten: Mit der ORF-Wahl 2021 stieg die Quote im Direktorium, inklusive der Landesdirektionen, von davor 29 Prozent auf nun 43 Prozent. Die weniger gute Nachricht für Frauen, die im ORF Karriere machen wollen, ist allerdings: Die 45-Prozent-Quote, die im ORF-Gesetz steht, ist nach wie vor knapp nicht erfüllt. Generell liegt er bei 44,7 Prozent. In den höchsten vier Verwendungsgruppen liegt der Frauenanteil im ORF aber nur bei 35 Prozent und in den höchsten drei bei 26 Prozent. In den ORF-Töchterunternehmen gibt es nach wie vor keine Quote und damit nur eine Geschäftsführerin neben 22 Geschäftsführern. Und in die Chefredaktion des neuen multimedialen Newsrooms am Küniglberg werden drei Männer einziehen.

Das Frauennetzwerk Medien fordert deshalb, die vielen mittels Managementprogrammen gut ausgebildeten Frauen im ORF auch bei den Besetzungen zu berücksichtigen. Martina Madner, Vorsitzende des Frauennetzwerk Medien sagt: „Außerdem braucht es die Quote auch in den Töchterunternehmen des ORF, bei den Chefredaktionsposten und in allen Bundesländern, denn es braucht beides: Zielvorgaben und den Förderweg, wie man dahin kommt.“ Alexandra Maritza Wachter, ebenfalls Vorsitzende des Frauennetzwerk Medien, weist auf eine ganz aktuelle Studie von ProQuote Medien hin: „Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern in Deutschland und bei der Deutschen Welle waren 2021 im Durchschnitt knapp 44,7 Prozent der Stellen in der Programm- und Redaktionsverantwortung weiblich besetzt. Hier gestalten Frauen also bald die Hälfte des Inhalts und genau das entspricht auch der Repräsentanz von Frauen in der Bevölkerung.

ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz; Alexandra Maritza Wachter, Vorsitzende des Frauennetzwerk Medien; ORF-Generaldirektor Roland Weißmann; Martina Madner, Vorsitzende des Frauennetzwerk Medien; ORF-Radiodirektorin Ingrid Thurnher

„Wir arbeiten an der Umsetzung der gesetzlichen Quote“, versicherte Weißmann. „Es ist wichtig, sich nicht auf Etappenzielen auszuruhen, wir müssen diesen Weg konsequent fortsetzen. Als erklärter Teamplayer bin ich davon überzeugt, dass gemischte, diverse Teams zu besseren Lösungen finden und die Qualität unseres Programms weiter steigern! Gleichstellung ist für den ORF ein wichtiges Thema und mir auch persönlich ein großes Anliegen. Der ORF trägt als öffentlich-rechtliches Medium gesellschaftliche Verantwortung und hat mit seiner großen Reichweite in gewisser Weise Vorbildwirkung, auch für andere Medien“, sagte ORF-Generaldirektor Roland Weißmann dem Publikum im ORF-Atrium.

ORF Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz sieht „im Abbilden der Vielfalt der Gesellschaft eine zentrale Aufgabe des ORF, der ich mich voll und ganz verpflichtet fühle. Es ist wichtig, mit Stereotypen und Klischees aufzuräumen.“ Ihr Ziel sei es, am TV-Schirm Frauen – und auch Männer – in den unterschiedlichsten Rollenbildern zu zeigen: „Eine Frau in der Top-Position als Kommissarin, als unnachgiebige Quizmasterin oder als Kommentatorin von Fußballspielen zum Beispiel. Auch für Berufe hinter der Kamera, will ich gewährleisten, dass Frauen eine Vorbildfunktion einnehmen und sichtbar sind: als Regisseurinnen, Drehbuchautorinnen oder Redaktionsverantwortliche.“ Die für die ORF-Radios verantwortliche Direktorin Ingrid Thurnher sagt: „Es ist für uns selbstverständlich, Frauen in den ORF-Radios eine Stimme zu geben und sie in allen Programmen hörbar zu machen – als Journalistinnen, als Moderatorinnen, als Expertinnen, als Talkgäste. Wir sind dabei seit vielen Jahren auf einem guten Weg und werden diesen konsequent fortsetzen.“

Fotos: Katharina Schiffl

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