Melisa Erkurt bei #AskMeAnything: „Jung, divers und transparent“

Die erste Session des neuen Serie #AskMeAnything im Frauennetzwerk Medien wurde mit Spannung erwartet – und zum vollen Erfolg. Spannung deshalb, weil unser Gast, Melisa Erkurt, erst vor wenigen Tagen mit einem völlig neuen Medienprojekt für Schlagzeilen gesorgt hatte – und alle alles darüber wissen wollten. Erfolg: Weil die virtuelle Runde mit 20 Netzwerk-Frauen genau das war, war wir uns vorgestellt hatten: eine völlig offene, tabufreie Gesprächszone. Erst wurde zugehört, dann gefragt, am Ende rannte uns fast die Zeit davon. Unser Fazit: Who ist next?

Die preisgekrönte Journalistin und Bestseller-Autorin („Generation haram“) ist eine der lauten weiblichen Stimmen des Landes, wenn es um die Themen Bildungsungleichheit oder Diskriminierungserfahrung geht. Das hatte Melisa Erkurt, wie sie im Talk offen eingestand, aber eigentlich immer nur Nachteile eingebracht: „Wenn man als Migrant*in im Journalismus die Themen Diskriminierung, Integrationspolitik oder einfach migrantische Lebensrealität angreift  – dann gilt man oft als befangen, lästig und manche Kolleg*innen sehen dich in der jammernden Opferrolle und drücken dir ewig diesen Stempel auf. Gleichzeitig berichtet aber kaum jemand kontinuierlich über Diskriminierungsformen in allen möglichen Bereichen und aus unterschiedlichen Perspektiven.“ Das Thema Objektivität und Befangenheit dominierte den ersten Teil des Gespräches mit ihr, einige der Teilnehmerinnen berichteten von ihren eigenen Diskriminierungserfahrungen und davon, wie allein man sich fühlt, wenn man als Mensch mit seiner Herkunft eigentlich nie repräsentiert wird.

Im zweiten, nicht minder spannenden Teil der #AskMeAnything Session ging es um Innovationen im Journalismus und darum, wie sich Melisa ihr neues Medienprojekt vorstellt. Mit die_chefredaktion hat sie gerade ein ambitioniertes Journalismus-Vorhaben aus der Taufe gehoben, Zielgruppe: jung und divers. Der journalistische Stil: transparent. Ihr Kanal: ausschließlich Instagram. Und so will es Melisa angehen: „die_chefredaktion soll junge Menschen, denen Diverstität wichtig ist, erreichen, für die es aktuell keinen eigenen Journalismus gibt. Die Zielgruppe sind zugleich jene Leute, die auch bei uns in der Chefredaktion sitzen. Als Lehrerin sagte man mir immer: Hol die Schüler*innnen dort ab, wo sie stehen, genau das versuchen wir jetzt auch: auf Instagram. Und weil gerade viele junge Menschen weniger Vertrauen in Medien haben, werden wir radikal transparent sein, werden zeigen, wie wir zu unseren Geschichten kommen, aber auch was wir falsch machen und wie es zu Fehlern kommt. So möchten wir Vertrauen zur Zielgruppe aufbauen. Außerdem möchten wir, dass es keine Hemmschwelle gibt im Zugang, daher bieten wir unsere Inhalte auf Instagram und setzen auf Diversität bei den Themen und in der Redaktion.“ Die Debatte dazu drehte sich vor allem um die Frage nach dem Wert von Journalismus, um Finanzierbarkeit und darum, wie man dieser jungen Zielgruppe den Mix aus Qualität und Entertainment nahe bringt.

Unsere exklusive Runde von 20 Netzwerkfrauen entpuppte sich als idealer Rahmen für ein Gespräch, das Offenheit und Wertschätzung, aber genauso Raum für Diskurs und ehrliche Kritik ermöglichte. Die AMA-Spielregeln, dass nämlich das Gesagte auch nur in diesem Gesprächsraum bleiben soll, wurde gerne von allen eingehalten – die Zitate von Melisa in diesem Text wurden in Abstimmung verwendet.  So, wir freuen uns über die gelungene Premiere und versprechen euch, ganz bald die nächste Runde von #AskMeAnything hier zu announcen.

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