Mehr als 20 Ökonominnen

Die „20 einflussreichsten Ökonomen Österreichs“ wurden kürzlich von der Tageszeitung „Die Presse“ gemeinsam mit FAZ und NZZ vorgestellt. In der Liste finden sich auch zwei Frauen, woraus geschlossen werden kann, dass die Presse nicht beabsichtigt, demnächst 20 Ökonominnen nachzuliefern. Das übernimmt nun das Frauennetzwerk Medien: „Wir präsentieren über 20 bedeutende Ökonominnen Österreichs. Denn es gibt starke und einflussreiche Frauen in den Wirtschaftswissenschaften. Man muss sie nur wahrnehmen“, begründet Cornelia Breuß vom Frauennetzwerk Medien die Aktion des parteipolitisch unabhängigen Vereins von Journalistinnen und Medienfrauen. Das Netzwerk empfiehlt Richtlinien für ausgewogene Rankings, um Frauen sichtbar zu machen.

Die Presse-Liste der „einflussreichsten Ökonomen“ ist nur ein Beispiel dafür, wie Rankings oft die Wirklichkeit verzerrt zeigen – zugunsten von Männern. Die besten „Journalisten“, die „Top-Manager“, die erfolgreichsten „Anwälte“: Zwar landen manchmal auch Frauen in solchen Rankings, aber oft nur am Rande. „Viele Rankings hinken der Realität hinterher. Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der Frauen – auch sichtbar – gleichberechtigt sind, gleich viel verdienen wie Männer und gleich viele Spitzenpositionen in Politik, Wirtschaft und Medien innehaben“, so Edith Stohl, Vorsitzende des Frauennetzwerk Medien.

„Es ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit: Wenn ein Medium die Frauen einer Branche beinah ausblendet, dann beschädigt es damit seine Glaubwürdigkeit. Frauen nehmen das wahr und passen ihr Konsumverhalten entsprechend an. Kein Medienunternehmen kann sich das langfristig leisten“, so Breuß.

Die folgende Liste entstand durch Gespräche mit ÖkonomInnen, Politologinnen, Journalistinnen und Pressesprecherinnen. Sie wird laufend erweitert: Nennungen (Name und Institution) bitte per E-Mail an uns.

Mehr als 20 einflussreiche Ökonominnen Österreichs
Eine Liste des Frauennetzwerk Medien

Biffl Gudrun, Donau-Universität Krems
Borrmann Julia, Economica
Fürnkranz-Prskawetz Alexia, TU Wien
Grisold Andrea, WU Wien
Grozea-Helmenstein Daniela, IHS
Gubitzer Luise, WU Wien
Hanappi-Egger Edeltraud, WU Wien
Haidinger Bettina, WU Wien
Hofmarcher Maria M., MedUni Wien, BRIDGE Health project
Heitzmann Karin, WU Wien
Huber Claudia, WKO
Kirchmayr-Schliesselberger Sabine, Universität Wien
Klatzer Elisabeth, Attac
Kleissner Anna, Economica und SportsEconAustria
Knittler Käthe, WU Wien
Kolm Barbara, Hajek Institut
Köppl-Turyna Monika, Agenda Austria
Kreimer Margaretha, Universität Graz
Kreuzhuber Margit, WKO
Kubin Ingrid, WU Wien
Küblböck Karin, Österr. Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE)
Leitner Andrea, IHS
Lunzer Gertraud, AK Wien
Mader Katharina, WU Wien
Marin Dalia, LMU München
Mayr-Dorn Karin, JKU Linz
Mayrhuber Christine, Wifo
Mittendrein Lisa, Attac
Neumayr Michaela, WU Wien
Pennersdorfer Astrid, WU Wien
Redak Vanessa, Österreichische Nationalbank
Rehm Miriam, AK Wien
Riedl Monika, IHS
Ritzberger-Grünwald Doris, Nationalbank
Sauer Petra, WU Wien
Schiffbänker Helene, Joanneum Research
Schlager Christa, AK Wien
Schratzenstaller Margit, Wifo
Schuberth Helene, Österreichische Nationalbank
Schneebaum Alyssa, WU Wien
Simon Judit, MedUni Wien
Simsa Ruth, WU Wien
Springler Elisabeth, WU Wien und FH des bfi Wien
Stagl Sigrid, WU Wien
Staritz Cornelia, Österr. Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE)
Streissler-Führer Agnes, GPA-djp
Strickner Alexandra, Attac und WU Wien
Tumpel-Gugerell Gertrude, Wifo
Unger Brigitte, Universität Utrecht
Weber Andrea, WU Wien, Central European University
Weichselbaumer Doris, JKU Linz
Young Brigitte, WWU Münster
Zulehner Christine, Wifo und Universität Frankfurt
Zwickl Klara, WU Wien

Richtlinien für Rankings

Wenn ein Verlag ein Ranking erstellt oder beauftragt, sollte Folgendes beachtet werden:

  • Die Grundgesamtheit der Bevölkerung bzw. der dargestellten Branche soll repräsentiert sein – in den meisten Fällen führt das automatisch zu rund 50% Frauen. Im konkreten Fall des Presse-Rankings kann niemand ernsthaft glauben, dass nur zwei Frauen in den Wirtschaftswissenschaften „einflussreich“ seien, aber gleich 18 Männer. Die Liste des Frauennetzwerk Medien beweist das Gegenteil.
  • Wenn für die Platzierung – wie im Fall des Presse-Rankings – auch eine Rolle spielt, wie oft jemand bereits in den Medien vorgekommen ist (und wie oft er/sie zitiert wurde), dann ist klar, dass weiterhin Männer bevorzugt werden: Wer sichtbar ist, wird gezeigt. Wer schon bisher nicht genannt wurde, wird weiterhin ignoriert.
  • Wird die Listenerstellung an eine Jury ausgelagert, muss die Hälfte der Jurymitglieder weiblich sein, wenn es mit der Gleichberechtigung ernst gemeint ist.
  • Steht wie im Fall des Presse-Rankings eine Befragung hinter dem Ranking, ist die Auswahl der Personen zu berücksichtigen, im vorliegenden Fall „Hunderte Politiker und Beamte“: Wie viele Frauen, wie viele Männer wurden aufgrund welcher Faktoren befragt? Diese Information ist transparent zu machen, damit die Qualität der Methode beurteilt werden kann.

7 Kommentare

  1. Danke an die Wiener Medienfrauen fürs Aufmerksam machen! Barbara Krennmayr (OÖ Medienfrauen) lädt in Koop mit open commons und Wikimedia-/pedia Österreich am letzten September-Nachmittag 2017 zum Edit-a-thon in Linz – Wikipedia wird mit bekannten Frauen bzw. Expertinnen be-reich-ert. Der abrufbare Frauenanteil im Online-Nachschlagewerk ist sehr dürftig. Dabei bereichern beachtliche Frauen sehr wohl unsere Gesellschaft. Auch aus der Wirtschaft sind sehr viele Expertinnen auf der „Arbeitsliste“ der OÖ Medienfrauen dabei, die bereits mehr als 100 Frauen alleine aus OÖ umfasst. Aktuelle (Mitmach-) Infos zu dieser Expertinnen-Initiative u.a. auf https://www.facebook.com/Medienfrauen/

    Heidi Vitéz, Sprecherin OÖ Medienfrauen – Mitglied Präsidium / Vorstand OÖ Presseclub

  2. Ja es gibt hervorragende Ökonominnen und wenn sie mehr gehört würden, hätte das für die Lebensrealität vieler Frauen positive Auswirkungen (ZB welche Arbeit wird bezahlt/unbezahlt erbracht.) Davon bin ich überzeugt.

  3. Danke für den Artikel! Es ist erstaunlich, dass die geforderten Kriterien nicht ohnehin schon gang und gäbe sind und stellt den genannten Medien ein schlechtes Zeugnis aus.

  4. Super! herzlichen Dank für das Sichtbarmachen von Ökonominnen, die nicht nur im Hintergrund Dinge bewegen. Mir fällt aufs Erste auch gleich noch Doris Ritzberger-Grünwald, Direktorin Hauptabteilung Volkswirtschaft ein, weiters Karin Mayr-Dorn (JKU) und Doris Weichselbaumer (JKU), sowie Dalia Marin (LMU) und einige andere, die ins Ausland gegangen sind, weil sie hier nicht die notwendige Wertschätzung erhalten haben

  5. Finde es echt schlimm dass im Jahr 2017 noch immer extra darauf hingewiesen werden muss dass das Frauen auch können! Umso toller dass es jetzt diese Liste gibt- und vielleicht auch benutzt wird! Wäre an der Zeit dass es nicht mehr um das Geschlecht geht sondern das Fachwissen!

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